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Stefan Rehfus, Andreas Wendel und Götz Konrad (v. l. n. r.)Stefan Rehfus, Geschäftsführer von EKO-PLANT, Betriebsleiter Andreas Wendel und Bürgermeister Götz Konrad (v. l. n. r.) vor dem Schlauchwagen der Vererdungsanlage Eibelshausen

Vor 10 Jahren hat sich der Abwasserverband “Obere Dietzhölze“ als Betreiber der Kläranlage Eibelshausen für den Bau einer Hochleistungsvererdungsanlage entschieden. Andreas Wendel, Betriebsleiter der Kläranlage, und Götz Konrad, Bürgermeister der Gemeinde Eschenburg, sprechen im Interview über die Gründe und ihre Erfahrungen.

Herr Wendel, was sind aus Ihrer Erfahrung die größten Vorteile der Klärschlammvererdung gegenüber anderen Techniken?

Wir haben früher eine Kammerfilterpresse betrieben, die deutlich arbeitsintensiver war. Dort war täglich ein Mann zwei bis drei Stunden beschäftigt. Das ist bei der Vererdungsanlage nicht mehr der Fall. Auch der Energieaufwand der Kammerfilterpresse war enorm. Jetzt läuft „nur“ die MSR-Technik im Hintergrund und alle zwei bis vier Wochen verbrauchen die Pumpen beim Beschickungszyklus Strom. Dann natürlich die Lagerkapazität, die Betriebssicherheit der Anlage und die Flexibilität bei der Entsorgung.

Warum würden Sie sich wieder für die Klärschlammvererdung entscheiden?

Da gibt es ganz klar wichtige Faktoren: Betriebssicherheit, Entsorgungssicherheit, Energie, lange Standzeit. Wir sind im ersten Vererdungszyklus, der war ursprünglich auf sechs Jahre angesetzt. Im Jahr 2014 sollte Beet eins geräumt werden, 2015 Beet zwei, 2016 Beet drei. Das war die ursprüngliche Planung. Nach heutigem Stand kommt die erste Räumung erst 2023! Wenn ich mir dann die Rücklagen ausrechne, die wir für die Schlammentsorgung bilden, haben wir auch hier vorgesorgt.

Wurde in der Planungsphase seitens EKO-PLANT ausreichend auf Ihre individuellen Anforderungen eingegangen?

Ursprünglich sollten größere Vererdungsbeete gebaut werden, hierzu haben wir damals leider nicht die Flächen bekommen. Aus dieser Not heraus wurde dann die Idee der Hochleistungsvererdungsanlage geboren. Dies ermöglichte die gleiche Entwässerungsleistung auf kleinerem Raum. Hier wurde in der Planungs- und auch Bauphase jederzeit auf die Ideen und Wünsche des Auftraggebers eingegangen.

Was hat Sie bisher beim Betrieb Ihrer Vererdungsanlage am meisten erstaunt?

Die Entwässerungsleistung. Der Gehalt an Trockensubstanz ist aktuell bei 57 Prozent. In den Sommermonaten, nach einer Beschickung, haben wir der Anlage etwas Material entnommen. Das Material war selbst nach dieser kurzen Zeit erstaunlich trocken.

Dann noch die Betriebssicherheit. Die Anlage ist als Prototyp gebaut worden, da haben wir alle mit Störungen und Problemen gerechnet. Was aber letztendlich nicht der Fall war. In den nun zehn Jahren ist nicht einmal der Schlauchwagen stehengeblieben. Dass ein Prototyp so „unauffällig“ läuft, ist nicht üblich.

Fühlen Sie sich bei EKO-PLANT gut aufgehoben?

Ja.

Das war eine klare Antwort.

Wir haben einen Servicevertrag - schon den zweiten in Folge - und werden vor Ort betreut. Wir arbeiten hervorragend zusammen. Probleme werden gut und schnell gelöst, man hat für alles ein Ohr.

Die erste Räumung ist für 2023 oder später geplant. Soll die Räumung auch in Zusammenarbeit mit EKO-PLANT durchgeführt werden?

Ich gehe stark davon aus. EKO-PLANT ist ja darauf spezialisiert. Und ich bin fest davon überzeugt, dass wir diesbezüglich sehr gut betreut werden.

Herr Konrad, warum haben Sie sich vor zehn Jahren für die Klärschlammvererdung entschieden?

Die Kammerfilterpresse musste ersetzt werden. Und da suchten wir eine Möglichkeit, die Entwässerung möglichst einfach zu gestalten. Wichtig war: Was ist auf Dauer der günstigste Weg? Nach vielen Überlegungen und Besichtigungen ist dann der Entschluss gewachsen, dass wir die Schlammentwässerung nicht mehr mit der Presse machen, sondern über die Klärschlammvererdung. Eine schöne Freud'sche Fehlleistung zeigt vielleicht auch, dass wir von Anfang an den Eindruck hatten, dass das etwas Gutes ist. Da war immer die Rede von der Klärschlammveredelung, also nicht Vererdung, und das taucht sogar in einem Protokoll auf: "Klärschlammveredelung". Und das ist jetzt Programm.

Und es entspannt uns auch stark durch die lange Laufzeit. Wenn andere nach Wegen suchen, ihren Klärschlamm zu entsorgen und zu verwerten, können wir sagen: "Okay, Wiedervorlage 2023". Natürlich müssen wir uns auch Gedanken machen, wie es dann weitergeht. Aber ich bin mir zumindest sicher, dass bis dahin bessere Verwertungsmöglichkeiten gegeben sind als heute, wo man das Ganze unter Druck und Zwang machen muss. Wir können es am besten an den Beeten sehen: Die Natur arbeitet für uns.

Deswegen war die Entscheidung damals gut überlegt und sie erscheint im Licht der heutigen Ereignisse sogar noch besser.

Wie ist in Ihrer Region aktuell die Situation was die Klärschlammbehandlung und auch vor allem die Klärschlammentsorgung angeht?

Wir sind, glaube ich, einer der wenigen Betreiber, der momentan relativ entspannt sein kann. Viele haben große Probleme den Schlamm in die Entsorgungsschiene zu bekommen. Entsorgungsverträge werden gekündigt und neue haben eine enorme Preissteigerung. Andererseits macht man sich Gedanken – in Form von großtechnischen Anlagen – wie man möglichst schnell den Problemen entgegenwirken kann.

Wie ist im Vergleich dazu Ihre Situation in Eibelshausen?

Laut der letzten Messungen reichen die Beete bis 2023, bei guter Behandlung vielleicht sogar noch länger. Auf jeden Fall haben wir bis dahin Entsorgungssicherheit und arbeiten jetzt an Möglichkeiten, wie wir das genauso naturnah weiterverwenden. Wir haben einen deutlichen Zeitgewinn und müssen nicht aus der Not heraus irgendwelche Verzweiflungstaten anstreben, sondern können gut überlegt den für uns auf lange Sicht günstigsten Weg suchen.

Gibt es bei Ihren Nachbarkommunen Bestrebungen auf die Klärschlammvererdung umzuschwenken, auch vor dem Hintergrund der aktuellen Situation?

Also es gibt gewiss drei oder vier Betreiber, die da starkes Interesse haben, aber sich in Wasserschutzgebieten befinden und keine Flächen dargestellt bekommen. Wobei sich das heute wieder relativiert, denn angesichts der stark steigenden Preise kann man sich durchaus auch einen größeren Radius suchen. Wenn die akuten Probleme der Zwischenlagerung erst einmal gelöst sind, dann wird der Fokus wieder auf die Frage gelenkt, wie eine langfristige Lösung aussehen kann. Und dann müssen sich alle überlegen, ob sie von der Hand in den Mund leben und wenn die Presse kaputt ist, die nächste gekauft wird, oder ob ein Systemwechsel vorgenommen wird. Ich denke unser Beispiel zeigt, dass es sich lohnt darüber nachzudenken, was langfristig der günstigere Weg ist. Und da sollte uns eigentlich diese "Klärschlammkrise" dazu ermuntern, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken. Es ist ja nicht damit getan, dass ich mich für dieses Haushaltsjahr und für das nächste und übernächste über die Runden bringe, sondern hier geht es darum in Echtzeit eine Entsorgungssicherheit zu schaffen, die genauso eine Laufzeit hat wie so ein Beet. Und darüber hinaus.

Was waren denn Ihre Gründe, EKO-PLANT als Generalunternehmer zu beauftragen?

Ich hätte jetzt fast gesagt, die waren die Erstbesten. Aber das waren sie nicht, sondern sie waren die Besten. Die Anlagen, die wir besichtigt haben, gibt es wirklich, eine steht auf Norderney. Und die war damals vor der ersten Leerung. Für uns war auch wichtig, wie das in zehn Jahren aussieht, ob das wirklich ein Modell mit Zukunft ist. Schließlich haben wir gesagt: „EKO-PLANT hat DIE Lösung für unsere Probleme“, ein umfassendes Konzept. Deswegen haben wir uns ja auch jetzt nicht aus Hilflosigkeit in ein Vertragsverhältnis begeben, sondern wir haben uns von Anfang an in die Augen geblickt und gesagt, "Okay, Vertrag kommt von vertragen, wir wissen was wir voneinander haben und deswegen ist das jetzt hier keine Verkaufsveranstaltung, sondern es ist eine Partnerschaft". Wir haben ja dann mit der gemeinsamen Entwicklung und Verbesserung der Anlage gezeigt, dass es ein Miteinander ist. Wir haben gründlich gesucht, aber es gab damals - und ich denke auch heute - niemand besseren als EKO-PLANT.