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THE PAULY GROUP

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Ob Pflanzen, Tiere oder Menschen - alle brauchen Phosphor. Ohne Phosphor keine DNA, kein Stoffwechsel, kein Leben.

Pflanzen nehmen Phosphor in Form von Phosphat aus dem Boden auf. In der Landwirtschaft wird Phosphat dann mit jeder Ernte dem Boden entzogen und muss als Dünger immer wieder neu zurückgeführt werden.

phosphor 04Der Tagesbedarf eines erwachsenen Menschen liegt bei etwa 0,75 Gramm Phosphor und wird vor allem aus Milchprodukten, Fleisch, Fisch und Brot gedeckt. Den größten Teil davon scheiden wir wieder aus und der Phosphor gelangt mit den Abwässern zur Kläranlage. Damit unsere Gewässer nicht überdüngen, muss der Phosphor aus dem Abwasser entfernt werden und landet schließlich im Klärschlamm. Dieser Klärschlamm wird in Deutschland aber überwiegend nicht als Dünger verwendet, sondern zunehmend verbrannt. Im Jahr 2015 wurden nur noch ca. 14.700 Tonnen Phosphor der stofflichen Verwertung zugeführt. 27.500 Tonnen, also rund 64 Prozent, endeten in der Asche von Verbrennungsanlagen.

Die Verbrennung entzieht dem Kreislauf beständig enorme Phosphormengen. Bleibt es dabei, werden in den nächsten 10 Jahren voraussichtlich weitere 300.000 Tonnen Phosphor verloren gehen.

Dieser Verlust muss durch Mineraldünger ausgeglichen werden. Deutschland verfügt aber über keine eigenen Phosphatlagerstätten und ist deshalb vollständig auf Importe angewiesen. Die größten Phosphatvorkommen befinden sich in Schwellenländern wie Marokko. Der dort seit gut hundert Jahren abgebaute Phosphor treibt die Landwirtschaft an - nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.

Aber wie lange werden die Vorräte noch reichen? 2012 wurde die statische Reichweite der weltweiten Phosphatvorkommen auf 324 Jahre geschätzt. Rechnet man all die Vorkommen hinzu, die bei fortschreitender Technik und Marktentwicklung zukünftig zusätzlich rentabel abgebaut werden können, reichen die Vorräte mehr als 1300 Jahre.

Es gibt aber trotzdem gute Gründe, den Import von Phosphat zu verringern, denn damit verkleinert sich die Abhängigkeit von ausländischen Ressourcen, deren politischer Verfügbarkeit und Qualität.

Der Gesetzgeber hat deshalb die Rückgewinnung von Phosphor aus dem Klärschlamm verbindlich gemacht. Dumm nur, dass es bisher nicht wirklich Verfahren gibt, dieses Phosphorrecycling wirtschaftlich und im erforderlichen Maßstab umzusetzen!

Bisher wird Klärschlamm überwiegend zusammen mit anderen Abfällen verbrannt. Aus der Asche dieser Mitverbrennung wird sich Phosphor aber auch zukünftig nicht wirtschaftlich zurückgewinnen lassen. Es müssen also zunächst Monoverbrennungsanlagen gebaut werden und parallel dazu gilt es Verfahren zu entwickeln, die ein Phosphorrecycling aus deren Asche ermöglichen. In Kenntnis dieser Sachlage wurde deshalb auch gleich die Ablagerungsverordnung geändert: die Asche darf jetzt in Monodeponien eingelagert werden.

Die Verbrennung von Klärschlamm stellt das angestrebte Phophorrecycling also vor große Probleme. Bis zum Aufbau ausreichender Kapazitäten für die Monoverbrennung geht Phosphat praktisch für immer verloren. Die Asche von Monoverbrennungsanlagen muss dann solange gelagert werden, bis geeignete Rückgewinnungsverfahren zur Verfügung stehen - das Recyclingproblem vergrößert sich proportional zum Deponievolumen.

Fazit: Geht die landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm weiter zurück, werden durch die verstärkte Verbrennung dem Kreislauf fortschreitend enorme Mengen an Phosphat entzogen. Dieses Phosphat muss zusätzlich importiert werden - mit allen Nachteilen, die durch das Recycling doch eigentlich vermieden werden sollen.

Verbrennung und Phosphor-Recycling sind bisher nicht miteinander vereinbar.

Wie also können wir die Ressource Phosphat bis zum Ablauf der Übergangsfristen sichern? Diesen und anderen Fragen gehen wir im nächsten Newsletter nach.

Quelle: Killiches, Franziska u.a. (2013): Phosphat - Mineralischer Rohstoff und unverzichtbarer Nährstoff für die Ernährungssicherheit weltweit, Hannover, Herausgeber: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).